Vor einem halben Jahr war sie als Vorgruppe der Pussycat Dolls in München. Mit drei professionellen Tänzern und einem DJ auf der Bühne hat Lady Gaga die vor ihr spielende Pro7-Kreation Queensberry wie eine Tanzgruppe aus einer zweitklassigen Schule wirken lassen. Mit knapper Bekeidung, arangierten Posen und eigenwilligen Bewegungen und mit ihren ansteckenden Pop-Dance Rythmen hatte Lady Gaga das Publikum schnell im Griff. "Scream" - und alle waren begeistert.
Am Donnerstag war nun Lady Gaga die Haupt-Attraktion im Zenith in München. Die Vorgruppe spielte melodramatischen Rock, der weniger Vorfreude verbreitete als die Hintergrundmusik beim Bühnenumbau. Das Video zu Beginn der Show, das Andy Warhol thematisiert, wurde später auf auf beweglichen Video-Wänden fortgesetzt. Das Durchschnittsalter der Zuschauer liegt bei 16-18 Jahren. Ein paar Mädels sind als Lady Gaga Double angetreten. Ein paar zehnjährige sind mit ihren Eltern da.
Dann singt Lady Gaga den ersten Song: "Paparazi"; auf einer viel zu niedrigen Bühne. Ohne Videoleinwand bekommt eine Großteil der rund 6.000 Zuschauer die Show der Selbstinzenierung gar nicht richtig mit. Die vier Musiker kommen ziemlich rockig daher und hatten mit dem Elektro-Dance-Pop so ihre Mühe. Auch die Zurufe, wie "München, ihr seid die Besten" konnten bald nicht mehr allzuviel Begeisterung erzeugen.
Die Songs werden ohne große Begeiserung heruntergespielt. Die Kostüme werden immer knapper. Das funkige Disco-Pop-Feeling wird durch zu rockige Elemente zu stark unterdrückt und überträgt sich nicht so richtig ins Publikum. Nach einer kurzen Pause (oder sollte das schon die Unterbrechung vor der Zugabe gewesen sein?) spielt Lady Gaga am Klavier und zeigt zum erstem Mal ihr Talent. Sie kann mit Ihrer Stimme das Publikum fesseln, tänzelt auf dem Klavier herum, ist ganz bei sich und improvisiert. Nur zeigt sie heute zu wenig davon.
Dann geht die Piano-Variante von "Poker Face" in die Dancefloor-Variante über. Und das Konzert geht nach einer Stunde ohne Zugabe zu Ende. Das war nicht so toll, Lady Gaga.
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