Sonntag, 31. Januar 2010

Finanzkrise

Wie war das doch gleich mit der aktuellen Finanzkrise?

Die US-Notenbank hatte nach dem Aktiencrash am Anfang des Jahrhunderts den Leitzins stark gesenkt. Dadurch konnte die Wirtschaft mit billigen Krediten versorgt und ein Wachtum aufrechterhalten werden. Immer mehr Banken finanzierten immer mehr Privatkunden ihre Immobilien. Politisch war das gewollt. Seit jahrzehnten gilt: jedem Amerikaner sein eigenes Häuschen. Immer weniger wurde auf das Risiko geschaut; die Immobilienpreise stiegen. Die faulen Immolilienkredite wurde in komplizierte Anlageobjekte verpackt und weltweit an andere Banken und Investoren weitergereicht. Viele Banken haben das Risiko unterschätzt und waren plötzlich zahlungsunfähig.

Als dann im September 2008 die Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz anmeldete, misstrauten sich die Banken weltweit gegenseitig und leihen sich kein Geld mehr. Eine weltweite Wirtschafts-Katastrophe zeichnete sich ab, weil durch das fehlende Vertrauen unter den Banken ein Zusammenbruch der weltweiten Zahlungssysteme befürchtet wurde. Als Reaktion darauf, und aus Angst vor einer neuen großen Depression, steckten die Regierungen hohe Summen in die maroden Banken. Die Zentralbanken senkten die Zinsen, die Banken arbeiten seitdem mit den von den Staaten geliehenem Geld.

Auch die Realwirtschaft geriet unter Druck, weil sich die Firmen immer weniger Geld von den Banken leihen konnte. Aufträge blieben aus; Aktienkurse fielen; Kurzarbeit oder Firmenpleiten waren die Folge. Die Regierungen steckten nochmals hohe Summen in Konjunkturprogramme, um die Wirtschaft zu stützen. Die Staaten sind hoch verschuldet.

Derzeit sehen viele Wirtschafts-Experten immer mehr Anzeichen einer Erholung. Billig verfügbares Geld hatte die Finanzkrise ermöglicht und ist jetzt die Basis für den nächsten Absturz. Damit es nicht soweit kommt, müssen die Zinsen wieder steigen und die Banken müssen ihre vom Staat geliehenen Milliarden zurückzahlen, auch wenn dadurch das Wachstum gebremst wird. Sonst kommt es anstatt zu der gefürchteten Deflation zu einer Inflation.

Donnerstag, 28. Januar 2010

iPad

Seit Monaten gibt es Gerüchte und Spekulationen über ein neues Spielzeug aus dem Hause Apple. Seit Monaten warten die Anhänger der Marke mit dem angebissenen Apfel auf einen Tablet-Computer. Nicht weniger als ein Gerät, dass den nächsten großen Hype in der IT-Branche auslösen soll. Die Print-Medien sahen das noch nicht existierende Produkt bereits als mögliche Plattform, um im Internet Geld zu verdienen. Die Erwartungen waren unglaublich hoch. Und wurden enttäuscht.

Gestern war es dann endlich soweit. Apple lud zu einer Keynote: “Come see our latest creation”. Steve Jobs, der charismatische "Chief Imaginative Officer", der Visionär und Perfektionist, stand auf der Bühne und verspricht ein "magisches" Produkt: das iPad.

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Steve Jobs bei der Präsentation des iPad (Foto: iLounge)

Positioniert zwischen dem iPhone und einem MacBook erscheint das Gerät wie ein großes iPhone mit einem 9,7 Zoll Display (1024x768 pixel, 132ppi). Es ist 1,2 cm dick und etwa 700g schwer. Touchscreen (beim iPad als Multi-Touchscreen) und eine virtuelle Tastatur erinnern an das iPhone. Auch das Betriebssystem, und somit das Bedienkonzept, ist von diesem Gerät übernommen. Dadurch können auch die 140.000 Applikationen aus dem App Store auf dem iPad genutzt werden. Somit wird das erfolgreiche Konzept der Apps auf dem iPad weitergeführt.

Überraschend günstig ist der Preis. Das Einstiegsmodell kostet $499, das Top-Modell (mit 64 GB Speicher und Mobilfunk) $829. Im März werden die Geräte ohne Mobilfunkoption weltweit zu kaufen sein. Mit Mobilfunkoption (Apple nennt diese Modelle "3G") etwa einen Monat später.

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Das Bücherregal im iPad (Foto: iLounge)

Hardware und Software

Als Prozessor kommt ein von Apple entwickelter Chip zum Einsatz. Dadurch wird Apple über Nacht zum Chip-Hersteller. Der Lithium-Polymer-Akku soll bis zu 10 Stunden Betriebszeit ermöglichen. Die Modellpalette bietet 16 bis 64 GB Speicher mit Wi-Fi und optimalem Mobilfunkanschluss.

Applikationen für Internet, Mail, Kalender, Kontakte, sowie Fotos und Videos sind integriert, ebenso eine auf Google-Maps basierende Anwendung und natürlich ein iPod. Und natürlich ist der Zugriff über iTunes auf die von Apple angebotenen Inhalte möglich. Neu ist iBooks, eine Platform zum Download von Büchern, die es vermutlich zuerst nur in den USA geben wird. iWork, eine für das iPad optimierte Software-Suite zum Schreiben, Kalkulieren und Präsentieren, kann im App Store gekauft werden.

Revolution

Das von allen erwartete, revolutionär neue Gerät hat Apple nicht vorgestellt. Das iPad basiert stattdessen auf dem bewährten iPhone mit seiner einfachen, flüssigen und schlüssigen Bedienbarkeit. Das bedeutet auch, dass ein iPad kein offenes System ist. Applikationen werden über den App Store installiert. Inahlte über iTunes.

Durch dieses abgeschlossene Konzept kontrolliert Apple die Inhalte eines iPads. Das ist eine Art von Zensur. Andererseits wird dadurch ein gewisser Standard der technischen Qualität sichergestellt. Schließlich soll auch das iPad ein perfektes Apple-System sein. In dieser Welt würden Apps stören, die sich nicht an Standards halten.

Aber wird das iPad ein Gerät, dass jeder haben muss? Es ersetzt weder ein Smartphone, noch einen Laptop. Werden sich die Kunden in Massen noch ein drittes mobiles System kaufen? Das bleibt abzuwarten.

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Das große und qualitativ hochwertige Display ist gut für Spiele und Videos geeignet (Foto: iLounge)

Minimalismus

Dem iPad fehlen einige Ausstattungsmerkmale, die heutzutage als Standard in fast jedem mobilen Gerät eingebaut sind, beispielsweise eine Kamera oder eine USB-Schnittstelle. Apple hat diese Dinge sicher nicht vergessen und auch die Kosten für einzelne Komponenten dürften nicht zu Ausschluß geführt haben. Vielmehr könnte die Marketing-Idee lauten: Jedes Jahr ein verbessertes iPad auf den Markt bringen. Auch das erfolgreiche iPhone ist von der technisch Ausrüstung eher mittelmäßig einzustufen und wurde mit den Jahren immer verbessert. Doch das iPad soll laut Steve Jobs jetzt schon vieles besser machen, als ein Smartphone oder ein Laptop. "Das beste Gerät für Internet, Mails und Fotos", wie Apple behauptet. Aber einiges scheint zu fehlen:

  • Multitasking. Es können nicht mehrere Apps gleichzeitig laufen. Einen Text schreiben und nebenher im Internet recherchieren und Musik streamen? Geht nicht. Ein Update des Betriebssystems könnte hier Wunder bewirken. Möglicherweise hat Apple Angst, dass dadurch die ruckfreie und flüssige Bedienbarkeit leiden könnte.
  • Adobe Flash. Ein vollwertige Internet-Browser ohne Flash? Auch wenn mit HMTL5 Flash in Zukunft überflüssig wird; heute brauchen wir es noch. Aber Apple will es nicht. Darum bleiben viele Flächen auf Webseiten leer. 75% aller Videos im Internet basieren auf Flash; ebenso viele Spiele. Farmville auf dem iPad? Derzeit nicht.
  • Kamera. Eine Kamera benötigt vielleicht nicht jeder. Aber wer sie braucht, wird sie vermissen. Schnappschüsse: nicht möglich. Video-Chats: nicht möglich.
  • Video-Qualität. Für ein modernes Gerät, was sich wie kaum ein anderes für mobiles Fernsehen, Video und Präsentationen eignet, hat Apple auf zwei Dinge verzichtet: Wiedergabe von hochauflösendem HD-Videomaterial in bester Qualität (1080p) und kein HDMI-Anschluß für einen externen Monitor. Dieser kann nur über ein spezielles Composite-Videokabel mit schlechter Qualität angeschlossen werden.
  • USB-Schnittstelle. Daten mit einem USB-Stick, einer externen Festplatte oder einem anderen Rechner austauschen: nicht möglich. Dateien und Dokumente werden über iTunes mit dem iPad synchronisiert. Über einen optionalen Apdapter können Fotos von Kameras übernommen werden.
  • GPS. Das iPad enthältet keine vollwertige, satellitengestützte Positionsbestimmung, sondern benötigt dazu eine Mobilfunkverbindung, was höhere Kosten und/oder geringere Betriebszeit bedeuten kann.
  • Offenes System. Das iPad ist eine abgeschlossene Welt. Apple kontrolliert die Apps und ist über iTunes/iBooks der primäre Lieferant der Inhalte. Der Austausch persönlicher Daten wird erschwert, denn er funktioniert nur über die Synchronisation mit iTunes.
Dies sind einige Punkte, mit dem sich das iPad als vollwertiger mobiler Computer disqualifiziert. Oder wird dieser Minimalismus unsere Einstellung zu mobilen Anwendungen ändern? Ist die Simplizität in Blick in die Zukunft? Einfache, intuitive Bedienung und Beschränkng auf das Notwendige. Eine totaler Bruch in der Informations-Technologie; weg vom klassischen, komplizierten und fehleranfälligen Alleskönner-PC?


Das Video zum iPad (Video: Apple)

Zielgruppe

Bleibt die Frage, welche Zielgruppe Apple im Visir hat. Und die Antwort ist ganz klar: den Multimedia-Konsumenten. Das iPad ist weniger geeignet um Inhalte zu schaffen oder zu bearbeiten. Und das System ersetzt keinen Laptop und kein Handy.

Zum einen sticht die einfache und intuitive Bedienung ins Auge. Dies könnte, wie Konrad Lischka auf spiegel.de schreibt, neue Nutzergruppen erschließen, die einen problemlos zu bedienenden "Jedermann-Computer" suchen.

Ein hochauflösendes Display in Kombination mit Bewegungssensoren und Touch-Screen. Das iPad wird die Welt der mobilen Spiele aufmischen. Sony oder Nintendo haben kein vergleichbares Gerät im Programm. Und bei der nächsten Zugfahrt kann der Besitzer eines iPads einen Videofilm in passabler Bild-Größe anschauen, was in Zukunft auch zu mehr mobilem Live-Fernsehen führen könnte.

Das Amazon Kindle scheint auf den ersten Blick als reiner eBook-Reader das Nachsehen zu haben. Aber für längeres Lesen ist das Display des Kindle vermutlich besser geeignet, bei einer längeren Akkulaufzeit. Gelegenheitsleser würden sich andererseits kein Kindle kaufen und Verlage könnten mit entsprechenden Apps auf dem iPad Mehrwerte schaffen, um neue Leser zu gewinnen. Ob das gelingt, wird sich zeigen.

Benötigt man ein iPad, wenn man bereits ein Smartphone und ein Laptop besitzt? Eher nicht. Das iPad ist aus heutiger Sicht ein nettes, attraktives Spielzeug mit offensichtlichen Einschränkungen. Wer damit leben kann, wird seinen Spaß haben.

Ob das iPad mittelfristig neue Anwendungsbereiche erschließen kann? Möglicherweise. Apple hat gestern eine Hardwareplattform angekündigt. Dessen Erfolg steigt oder fällt mit den kommenden Applikationen. Wird es ein Massenprodukt werden? Kann es neue Zielgruppen ansprechen? Wir werden sehen.

Auch das iPhone wurde vor drei Jahren kritisiert. Heute ist Apple der umsatzstärkste Anbieter im Bereich der Mobilen Geräte, vor Sony, Samsung und Nokia. Und sicherheitshalber werfen wir einen gespannten Blick auf das Tablet von Google...

UPDATE:

Frank Schirrmacher schreibt in einem Artikel in der FAZ über die Macht von Apple und die Politik des iPads. Abseits von technischen Daten könnte das Konzept des iPad gewohnte Kommunikationsformen gravierend verändern und eine Abkehr vom Desktop-PC bedeuten. "Die Hardware verändert den Inhalt. Das Werkzeug verändert das Denken." Interessanter Ansatz.

Dienstag, 19. Januar 2010

Avatar

So. Einen Monat nach dem Start des neuen Film von James Cameron bin ich nun auch ins Kino gegangen, um mir das Spektakel anzuschauen. Eigentlich interessierte mich die Geschichte nicht so, aber alle Bekannten und auch alle Kritiker waren der Meinung: unbedingt anschauen. Der Filmkritiker Adrian Prechtel sagte bereits nach einer Vorpremiere, dass Avatar die Kinowelt weiter spalten wird; in aufwendige, teure und hochtechnisierte Blockbuster auf der einen Seite und dem klassischen Erzählkino auf der anderen.

Und natürlich habe ich Tickets für eine 3D-Vostellung gekauft. Also, Brille auf und rein in den Sitz. Schon bei den Teasern bin ich reflexartig irgendwelchen Dingen ausgewichen, die Plötzlich ganz schnell und ganz nah auf mich zu kamen. Das war schon vielversprechend. Allerdings habe ich auch einige Minuten gebraucht, um mich an die optischen Verhältnisse der 3D-Technik zu gewöhnen. Aber das Verfahren ist heute wesentlich besser als die Systeme vor ein paar Jahren mit der rot/grün-Brille. Nur schnelle Bewegungen im Bild sind doch sehr verschwommen. 

Die Geschichte des Films ist nicht übermäßig neu: Im 22. Jahrhundert beutet der Weltraum-Konzern RDA Rohstoffe auf einer menschenfeindlichen Welt mit dem Namen Pandora aus. Eine Gruppe von Wissenschaftlern versucht die humanoiden Bewohner auf Pandora, die Na'vi, zu missionieren und ihre Welt zu verstehen. Dazu schicken die Wissenschaftler künstliche, von ihnen über Gedanken gesteuerte Wesen, die Avatare, zu den Na'vi. Jake Sully, ein querschnittsgelähmter Ex-Marine nimmt an dem Programm teil. Er gewinnt das Vertrauen und den Respekt des Naturvolks, lernt durch Neytiri, der Tocher des Stammesführers, ihre Kultur und ihre Welt kennen und wird schließlich in ihre Gemeinschaft aufgenommen. Als der Konzern einen heiligen Ort der Na'vi zerstört und weiter auf ihren Lebensmittelpunkt zurollt, schlägt sich Sully auf die Seite der Na'vi und bekämpft die Eindringlinge.

Terminator II von 1991 galt bereits als revolutionär, obwohl der Film nur wenige Minuten digital erzeugter Bilder enthält. Matrix setzte 1999 einen weiteren Meilenstein für visuelle Effekte. Die Filmtrilogie von Herr der Ringe hat dann innerhalb von drei Jahren (bis 2003) die rasante Entwicklung der Filmtechnik deutlich gemacht. Plötzlich war es möglich animierte Sequenzen mit Realbilder auf erstaunliche Art zu mischen.

Avatar treibt nun die technischen Maßstäbe des Kinos auf einen neuen Höhepunkt und vermittelt, ich bin geneigt zu sagen, ein neues, bahnbrechendes Filmerlebnis. Der Film erfüllt die hohen Erwartungen. Die hohen Produktionskosten sind deutlich sichtbar, und das ist gut so. Auch die Einnahmen an den Kinokassen brechen alle Rekorde. In den nächsten Tagen wird Avatar Titanic als komerziell erfolgreisten Film ablösen. Auch wenn der Film in erster Linie ein visuelles Erlebnis bietet, vermittelt er auch viel Gefühl. So stehen letztendlich Gier, Macht und Kriegstreiberei den positiven Werten Liebe, Hoffnung und Ehre gegenüber.